Wenn Literatur lebendig wird ...
Mit rockigen und jazzigen Melodien, über Unterhaltungsmusik der zwanziger Jahre bis zu Anklängen an die Musik von Kurt Weill brachten einhundertsechzig Schülerinnen und Schüler am vergangenen Dienstagabend die Aula des Gymnasiums Gröbenzell zum Beben. Sie entführten das Premierenpublikum in die Welt des „Großen Gatsby“, indem sie mit viel Kreativität und schauspielerischem sowie musikalischem Talent das gleichnamige Musical von Claus Martin auf die Bühne brachten.
Orchester, Big Band, Chor und Schauspieler erzählten die Geschichte des „Großen Gatsby“ aus dem hundert Jahre alten Roman von F. Scott Fitzgerald. Gatsby (Quirin Rapp, Eric Nadler) erlangt auf unlautere Weise an der Börse scheinbar unermesslichen Reichtum, mit dem er seine Jugendliebe Daisy (Coralie Hoever, Margareta Kaufmann) beeindrucken möchte. So hofft er, dass Daisy ihren Ehemann Tom Buchanan (Florian Catarinelli, Dominik Winkler) für ihn verlässt. Gatsby entwirft sich neu – als reicher Mann mit Einfluss und Vermögen und verkennt, dass er seine Identität nicht gewonnen, sondern verloren und sich von sich selbst entfernt hat. Wo entwerfen wir heute ein neues Bild von uns selbst, um auf andere zu wirken? Mit erschreckender Aktualität wirft die Erzählung auch die Frage nach der moralischen Verantwortlichkeit gerade der Eliten auf und kritisiert die Oberflächlichkeit der amerikanischen Gesellschaft in den zwanziger Jahren.
Musikalisch getragen wurde das Musical vom Instrumentalensemble des Gymnasiums, extra zusammengesetzt aus Mitgliedern des Schulorchesters (Leitung Julia Herrscher) und der Big Band (Leitung Holger Dehm). Dieses interpretierte die durchaus komplexe, aber immer mitreißende Musik von Claus Martin. Unterstützt wurde es dabei von den siebzig Chormitgliedern (Leitung Stefan Grünfelder), die auch die Solistinnen und Solisten stellten. Die Koordination der Choreografie übernahm Mariam Magassa, die Theaterregie Boris Hackl. Das digitale Bühnenbild, welches die Atmosphäre in beeindruckender Weise transportierte, wurde von Doster Chastain (Arizona State University) entworfen und auf eine LED-Wand projiziert. Zum Erfolg trugen auch die Technikgruppe des Gymnasiums Gröbenzell um Christoph Bürgis und Sarah Koch sowie das Maskenteam um Ramona Brehm und Laura Wiedenhofer entscheidend bei.
Catarina Ayrer-Strotmann
Foto: Thomas Atsma

